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Geldmärkte und Geldpolitik: Geldnachfrage, Geldangebot und Zentralbanksteuerung

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Finanzmärkte und Geldmarktmodell

Einführung in den Geldmarkt

Der Geldmarkt ist ein zentraler Bestandteil der Makroökonomie und beschreibt das Zusammenspiel von Geldnachfrage und Geldangebot. Die Zentralbank spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung des Geldangebots und der Festlegung des Leitzinses, was wiederum Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft hat.

Geldnachfrage

Motive der Geldhaltung

Nach Keynes gibt es drei Hauptmotive für die Geldhaltung:

  • Vorsichtsmotiv: Geld wird aus Unsicherheitsgründen gehalten (im Modell meist vernachlässigt).

  • Transaktionsmotiv: Geld wird benötigt, um laufende Ausgaben zu tätigen; abhängig vom Nominaleinkommen (PY).

  • Spekulationsmotiv: Geld wird gehalten, um auf günstige Anlagegelegenheiten zu warten; abhängig vom Zinssatz (i).

Formale Darstellung der Geldnachfrage

Die Geldnachfrage (Md) hängt positiv vom Nominaleinkommen und negativ vom Zinssatz ab:

  • Steigt das Transaktionsvolumen (PY), steigt die Geldnachfrage:

  • Steigt der Zinssatz, sinkt die Geldnachfrage:

Die Geldnachfragefunktion lautet:

wobei die Liquiditätspräferenzfunktion ist, die invers zum Zinssatz verläuft.

Grafische Darstellung der Geldnachfrage

Die Geldnachfragekurve verschiebt sich bei steigendem Einkommen nach rechts und sinkt bei steigendem Zinssatz.

Empirische Evidenz zur Geldnachfrage

Empirische Daten zeigen, dass der Kassenhaltungskoeffizient (Geldhaltung/Nominaleinkommen) mit sinkendem Zinssatz steigt. Finanzinnovationen und andere Faktoren können die Geldnachfrage zusätzlich beeinflussen.

Tagesgeldsatz und Kassenhaltungskoeffizient im Euroraum

Geldangebot und Gleichgewicht auf dem Geldmarkt

Bestimmung des Geldangebots

Das Geldangebot wird von der Zentralbank (Bargeld und Reserven) und den Geschäftsbanken (Sichteinlagen) bereitgestellt. Zwei Steuerungsmechanismen sind möglich:

  • Geldmengensteuerung: Die Zentralbank legt die Geldmenge fest, der Zinssatz passt sich an.

  • Zinssteuerung: Die Zentralbank legt den Zinssatz fest, die Geldmenge passt sich an.

Gleichgewicht auf dem Geldmarkt

Das Gleichgewicht ist erreicht, wenn Geldangebot und Geldnachfrage übereinstimmen:

Bei Geldmengensteuerung ergibt sich der Zinssatz endogen, bei Zinssteuerung die Geldmenge.

Geldpolitik und Offenmarktgeschäfte

Instrumente der Zentralbank

Die Zentralbank beeinflusst das Geldangebot und den Leitzins durch Offenmarktgeschäfte:

  • Expansive Geldpolitik: Ankauf von Wertpapieren, Geldmenge steigt, Zinssatz sinkt.

  • Kontraktive Geldpolitik: Verkauf von Wertpapieren, Geldmenge sinkt, Zinssatz steigt.

Zentralbankbilanz

Die Bilanz der Zentralbank zeigt auf der Aktivseite Wertpapiere und auf der Passivseite die Geldmenge:

Aktiva

Passiva

Wertpapiere (Währungsreserven, Gold, Staatsanleihen, Anleihen privater Unternehmen)

Geldmenge (Bargeld)

Zentralbankbilanz

Bei expansiver Politik steigt die Geldmenge durch den Ankauf zusätzlicher Wertpapiere:

Aktiva

Passiva

Ankauf zusätzlicher Wertpapiere +1 Mill. €

Anstieg der Geldmenge +1 Mill. €

Bilanzveränderung durch Offenmarktgeschäft

Erweiterung: Bargeld und Sichteinlagen

Geldbasis und Geldschöpfung

Die Geldbasis (H) umfasst Bargeld und Reserven der Geschäftsbanken. Die Geldmenge (M1) besteht aus Bargeld und Sichteinlagen im Nichtbankensektor.

Aktiva

Passiva

Wertpapiere

Zentralbankgeld = Bargeld + Reservehaltung der Geschäftsbanken

Aktiva

Passiva

Reservehaltung, Kredite, Wertpapiere

Sichteinlagen

Zentralbank- und Geschäftsbankbilanz

Formale Darstellung der Geldbasisnachfrage

Die Nachfrage nach Zentralbankgeld ergibt sich als:

Formel für die Nachfrage nach Zentralbankgeld

Im Gleichgewicht gilt:

Gleichgewichtsbedingung für Zentralbankgeld

Zentralbanksteuerung und Zinspolitik

Zinskorridor und Steuerung durch die EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert die kurzfristigen Zinsen durch Festlegung eines Hauptrefinanzierungssatzes, eines Spitzenrefinanzierungssatzes (Obergrenze) und eines Einlagesatzes (Untergrenze). Der Tagesgeldsatz schwankt zwischen diesen Grenzen.

EZB-Zinssätze 2005-2024

Liquiditätsfalle

Definition und Auswirkungen

Die Liquiditätsfalle beschreibt eine Situation, in der der Nominalzins an der effektiven Zinsuntergrenze liegt (meist nahe 0%). In diesem Fall sind Wirtschaftssubjekte indifferent zwischen Geld und Wertpapieren, und eine weitere Ausweitung der Geldmenge hat keinen Einfluss mehr auf den Zinssatz.

Liquiditätsfalle: Geldnachfrage und Geldangebot

Empirische Entwicklung im Euroraum

Im Zuge der quantitativen Lockerung stiegen die täglich fälligen Sichteinlagen und die Reserven der Geschäftsbanken im Euroraum stark an.

Sichteinlagen und Reserven der Geschäftsbanken im Euroraum

Kryptowährungen und Geldpolitik

Bitcoin vs. Euro

Bitcoin ist eine Kryptowährung, die ohne zentrale Instanz auskommt. Aufgrund hoher Kursschwankungen, hoher Transaktionskosten und regulatorischer Unsicherheiten ist es unwahrscheinlich, dass Bitcoin den Euro als Zahlungsmittel verdrängt.

Zusammenfassung und Key Takeaways

  • Die Geldnachfrage hängt positiv vom Einkommensniveau und negativ vom Zinssatz ab.

  • Das Geldangebot wird durch die Zentralbank gesteuert: Geldmengensteuerung vs. Zinssteuerung.

  • Offenmarktgeschäfte sind das zentrale Instrument der Geldpolitik.

  • Die Liquiditätsfalle begrenzt die Wirksamkeit der Geldpolitik bei sehr niedrigen Zinsen.

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