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Wachstum und Technischer Fortschritt – Grundlagen der Wachstumstheorie (Kapitel 12)

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Wachstum und Technischer Fortschritt

Einführung

Das langfristige Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft wird maßgeblich durch den technischen Fortschritt bestimmt. Während Kapitalakkumulation kurzfristig das Produktionsniveau erhöhen kann, ist nachhaltiges Wachstum nur durch kontinuierlichen technischen Fortschritt möglich. Die Wachstumstheorie untersucht, wie Kapital, Arbeit und Technologie zusammenwirken, um das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft zu bestimmen.

Grundlagen der Wachstumstheorie

Das Solow-Swan-Modell

Das Solow-Swan-Modell ist ein zentrales neoklassisches Wachstumsmodell, das von Robert Solow und Trevor Swan unabhängig voneinander entwickelt wurde. Es erklärt, wie Kapitalakkumulation, Bevölkerungswachstum und technischer Fortschritt das Wirtschaftswachstum beeinflussen.

  • Kapital schafft Wachstum auf Zeit, aber nur technischer Fortschritt ermöglicht dauerhaftes Wachstum.

  • Im Steady State konvergiert die Volkswirtschaft zu konstanten Werten von Kapital und Produktion je effektiver Arbeit.

  • Die Sparquote beeinflusst das Niveau, aber nicht die langfristige Wachstumsrate der Produktion pro Kopf.

Porträt von Robert SolowPorträt von Trevor Swan

Produktionsfunktion mit technischem Fortschritt

Technischer Fortschritt wird in der Produktionsfunktion als Variable A (Stand der Technik) modelliert:

  • Allgemeine Form:

  • Häufig genutzt: Hierbei steht AN für die effektive Arbeit, also Arbeit multipliziert mit dem Stand der Technik.

Wichtige Eigenschaften:

  • Technischer Fortschritt erhöht die Produktion bei gegebenem Einsatz von Kapital und Arbeit.

  • Er ermöglicht neue und bessere Produkte sowie eine größere Produktvielfalt.

Produktion und Kapital je effektiver Arbeit

Die Produktionsfunktion pro effektiver Arbeit lautet:

Das Verhältnis von Kapital zu effektiver Arbeit bestimmt das Produktionsniveau je effektiver Arbeit. Aufgrund abnehmender Grenzerträge führt ein höherer Kapitalbestand zu immer kleineren Produktionszuwächsen.

Dynamik von Kapital und Produktion

Die Entwicklung des Kapitalbestands je effektiver Arbeit wird durch Investitionen, Abschreibungen, Bevölkerungswachstum und technischen Fortschritt beeinflusst:

  • Wachstumsrate der effektiven Arbeit:

  • Im Steady State wachsen Produktion, Kapital und effektive Arbeit mit derselben Rate.

  • Die Sparquote beeinflusst das Niveau, nicht aber die Wachstumsrate im Steady State.

Dynamik von Produktion und Kapital je effektiver Arbeit

Charakteristika des ausgewogenen Wachstums im Steady State

Variable

Wachstumsrate

Kapital je effektiver Arbeit

0

Produktion je effektiver Arbeit

0

Kapital je Beschäftigten

Produktion je Beschäftigten

Arbeit

Kapital

Produktion

Tabelle: Charakteristika des ausgewogenen WachstumsTabelle: Charakteristika des ausgewogenen Wachstums (Fortsetzung)

Einfluss der Sparquote

Langfristige Effekte

Ein Anstieg der Sparquote erhöht das Niveau von Produktion und Kapital je effektiver Arbeit im Steady State, beeinflusst aber nicht die langfristige Wachstumsrate.

Einfluss der Sparquote auf das Produktionsniveau

Übergangsdynamik

Eine höhere Sparquote führt zu einem schnelleren Wachstum, bis ein neues Gleichgewicht erreicht ist.

Dynamik nach Sparquotenerhöhung

Die Goldene Regel

Die Goldene Regel beschreibt das Kapitalniveau, bei dem der Konsum im Steady State maximal ist. Ein zu hohes Kapitalniveau kann zu einem Rückgang des Konsums führen. Die Bedingung lautet:

  • Wachstum des Kapitalbestands muss der Wachstumsrate der Produktion entsprechen:

Determinanten des technischen Fortschritts

Exogene und endogene Wachstumsmodelle

Im Solow-Modell ist die Rate des technischen Fortschritts exogen. Endogene Wachstumsmodelle erklären den technischen Fortschritt durch Faktoren wie Sparquote, Bildungsausgaben und Forschung & Entwicklung (F&E).

Forschung und Entwicklung (F&E)

  • Produktivität des Forschungsprozesses: Erfolgreiche Interaktion zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung, nationale Unterschiede und Zeitverzögerungen bei Innovationen.

  • Profitabilität des Forschungsprozesses: Unternehmen investieren in F&E, wenn sie von Innovationen profitieren können. Patente und Eigentumsrechte spielen eine zentrale Rolle.

Institutionelle Rahmenbedingungen

Starke Institutionen und ein effektiver Schutz von Eigentumsrechten fördern Investitionen in Innovation und damit das Wirtschaftswachstum. Es besteht eine positive Korrelation zwischen Eigentumsschutz und BIP pro Kopf.

Growth Accounting und Solow-Residuum

Wachstumszerlegung

Growth Accounting zerlegt das Wirtschaftswachstum in Beiträge von Arbeit, Kapital und technischem Fortschritt. Das Solow-Residuum misst den Teil des Wachstums, der nicht durch Arbeit und Kapital erklärt werden kann und wird als Maß für den technischen Fortschritt verwendet.

Land

Wachstumsrate der Produktion pro Arbeitsstunde (%)

Wachstumsrate des Solow-Residuums (MFP) (%)

Produktionsanteil des Faktors Arbeit

Wachstumsrate des Technischen Fortschritts (%)

Frankreich

1,5

0,8

0,74

1,0

Deutschland

1,6

1,0

0,73

1,4

Japan

2,0

1,0

0,70

1,4

Großbritannien

1,5

0,9

0,77

1,2

USA

1,6

0,9

0,75

1,2

Tabelle: Wachstumsraten OECD-Staaten

Fallstudie: Wachstum in China

Wachstumsraten und Ursachen

Chinas Wirtschaftswachstum war in den letzten Jahrzehnten außergewöhnlich hoch, getrieben durch Kapitalakkumulation, technischen Fortschritt und institutionelle Reformen. Nach der Finanzkrise verlangsamte sich das Wachstum, insbesondere das des technischen Fortschritts.

Variable

1996 bis 2008

2009 bis 2019

Wachstumsrate der Produktion Y (%)

7,3

5,0

Wachstumsrate der Produktion je Beschäftigten Y/N (%)

6,5

4,8

Wachstumsrate des Kapitals K (%)

8,6

8,3

Wachstum der Kapitalintensität K/Y (%)

1,2

3,1

Produktionsanteil des Faktors Arbeit

0,58

0,57

Wachstumsrate des Solow-Residuums (MFP) (%)

3,2

1,3

Wachstumsrate des Technischen Fortschritts (%)

5,6

2,3

Tabelle: Wachstumsraten China

Vergleich China – Deutschland

Der entscheidende Unterschied zwischen China und Deutschland liegt im Produktivitätswachstum. Chinas Wachstum wurde durch den Wechsel zur Marktwirtschaft, Investitionen in Humankapital und die Übernahme ausländischer Technologien beschleunigt.

China versus Deutschland: Wachstum und Produktivität

Zusammenfassung und Key Takeaways

  • Technischer Fortschritt ist die zentrale Triebkraft für nachhaltiges Wirtschaftswachstum.

  • Im Steady State wachsen Produktion, Kapital und effektive Arbeit mit derselben Rate, die durch den technischen Fortschritt bestimmt wird.

  • Die Sparquote beeinflusst das Niveau, nicht aber die Wachstumsrate der Produktion pro Kopf.

  • Forschung, Entwicklung und institutionelle Rahmenbedingungen sind entscheidend für den technischen Fortschritt.

  • Growth Accounting ermöglicht die Zerlegung des Wachstums in Beiträge von Arbeit, Kapital und Technologie.

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